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Die Geschichte unserer Kooperation mit Thomas Becker beginnt im April 2017 am Frankfurter Flughafen, von wo aus es nach Bukavu in der Demokratischen Republik Kongo gehen sollte. Über das Hilfswerk Missio hatten sich Carsten und Goldschmied Thomas Becker kennengelernt und für die gemeinsame Reise in die DR Kongo zusammengetan. Ziel der Reise war es, gemeinsam vor Ort Menschen und ihre Lebenswelt kennen zu lernen, die im Abbau von Rohstoffen beschäftigt sind.

Von dieser Reise haben wir bereits in unserem letzten Wirkungsbericht erzählt. Die Erlebnisse verbinden: Gemeinsam haben sie einen Eindruck bekommen, wie es sich anfühlt in einem engen Bergbaustollen zu knien. Die herzliche Begegnung mit den Menschen vor Ort und ihren Berichten
über Zwangsarbeit sind beiden in Erinnerung geblieben. Mit all diesen Eindrücken im Gepäck hat sich auch nach der Rückkehr nach Deutschland der Kontakt zu Thomas Becker über die Jahre gehalten. Seit 2017 ist viel passiert und Thomas Becker hat sein Bestreben, eine möglichst verantwortungsvolle Beschaffung umzusetzen, in vielen Projekten weiter verwirklicht.

Nachfolgend wollen wir einen kleinen Einblick in sein Engagement geben, das wir als ein MwSt-Projekt unterstützen konnten. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales führt ihn als Praxisbeispiel für Umsetzung der menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht auf und führt aus: „Der Goldschmied Thomas Becker hat für sein Schmuckatelier ein ganzheitliches Nachhaltigkeitskonzept entwickelt, das als einen zentralen Punkt die faire, sozial und ökologisch verträgliche Materialbeschaffung umfasst.“ Dieses ganzheitliche Nachhaltigkeitskonzept beinhaltet im Wesentlichen drei Herkunftsarten von Gold, das von ihm und seinem Team in wunderschönen Schmuck verwandelt wird.

Zunächst ist da das Upcycling – also die Möglichkeit, durch handwerkliches Geschick gebrauchtem Schmuck ein neues Gesicht zu verleihen, Dieser Ansatz fokussiert besonders die ökologische Verträglichkeit der Materialbeschaffung. Gold, welches nicht aus den Tiefen des Planeten geholt werden muss, hat einen erheblich kleineren Einfluss auf die Umwelt.

Der zweite Ansatz ist die Verwendung von regionalem Waschgold. Hier ist der Ursprung des Metalls besonders gut nachzuvollziehen, so dass man hier auch von Identitätsgold spricht. In welchen deutschen Flüssen auch heute noch in kleinen Mengen Gold gefördert wird, erfahrt ihr hier. Die Technik, Gold aus Gewässern zu waschen, ist Jahrhunderte alt und neben dem Gold-Recycling die umweltschonendste Gewinnungsform – gerade im Vergleich zu den Praktiken großer industrieller Goldtagebergbauminen, wo für ein Gramm Gold unter Umständen eine Tonne Gestein umgegraben werden muss und so manchmal ganze Berge abgetragen werden.

Die dritte Herkunft des Goldes ist assoziiert mit dem Engagement in der DR Kongo. Um den komplexen Strukturen dort gerecht zu werden, wurde ein Netzwerk aus kooperierenden Partnern aufgebaut. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, die bereits bei der Kongo-Reise 2017 beteiligt war, ist hier mit den Standorten in Hannover sowie Bukavu engagiert, ebenso wie der von Thomas Becker u.a. gegründete Süd-Kivu e.V. (Hamburg) und das Pendant nach kongolesischem Recht der Namulisa ASBL. Ebenfalls beteiligt ist die Bergbau Kooperative COMIDEA. Um Wertschätzung für die harte Arbeit in den Minen auszudrücken, aber auch um Schwarzgeldwäscheund anderen illegalen Praktiken vorzubeugen, zahlt Thomas Becker den in den Minen arbeitenden Menschen einen Kaufpreis, der sich wie folgt zusammensetzt:

  • Für das enthaltene Feingold wird 100% des aktuellen LBMA-Kurses („Goldbörse“) gezahlt.
  • Um die Bergleute gegen einen Kursverfall abzusichern, gilt ein Mindestpreis von 40 $ pro Gramm Feingold.
  • Für die bessere Ausstattung mit Werkzeug und Sicherheitsausrüstung wird ein Bonus in Höhe von 10% auf den Goldwert gezahlt.
  • Als Ausgleich für den Ausbeuteverlust durch den Verzicht auf Quecksilber und andere chemische Hilfsmittel werden weitere 15% Bonus auf den Goldwert gezahlt.
  • Damit nicht nur die Minenarbeiter von dem Projekt profitieren, wird ein weiterer Bonus von 10% des Warenwertes für lokale Infrastrukturmaßnahmen gezahlt.

Um sicher zu stellen, dass das Geld entsprechend gezahlt und verwendet wird, organisiert die Namulisa ASBL neben den Arbeitsbedingungen auch die korrekte Zahlung an die in den Minen arbeitenden Menschen.

Um mit den Menschen im Dialog zu bleiben und ihre Bedürfnisse besser zu verstehen, fährt Thomas Becker regelmäßig zu den Minen. Er möchte nicht nur einen Eindruck bekommen, sondern Beziehungen zu gestalten und Projekte von den Ideen bis zu ihrer Umsetzung begleiten. Wie wichtig
dies ist, aber auch, dass schlechte Erfahrungen mit Partnern aus dem Globalen Norden gemacht wurden, zeigt eine Geschichte von seiner zweiten Reise, bei der sein Besuch Tränen auslöste. Auf Nachfrage warum, antwortete man ihm: „Es kommen immer wieder Leute, um zu schauen, sie
schreiben Berichte, manche schicken noch Geld. Aber bisher ist keiner wiedergekommen“.
Mittlerweile hatte Thomas Becker nicht nur die Chance die gesamte Belegschaft der beiden Partner-Minen kennenzulernen, sondern auch deren Umfeld. Dazu gehören neben deren Familien auch die Nachbarn, die Märkte, auf denen sie einkaufen und ihre Produkte verkaufen, die Krankenstationen, die Schulen, die die Kinder besuchen und die Gemeinden, in denen sie den Gottesdienst besuchen.
Neben dem Lernen der lokalen Mashi Sprache füllen regelmäßige Nachrichten und Videos von der Minenbelegschaft sein Engagement mit Leben und fördern die persönlichen Beziehungen dauerhaft. Noch ausführlicher ist das Projekt hier geschrieben.

Uns als SHIFT ist es besonders wichtig vor Ort, dort wo Rohstoffe abgebaut werden einen positiven Einfluss zu haben, gerade bei einer Ressource wie Gold, wo die komplette physische Rückverfolgbarkeit für uns als Smartphonehersteller noch nicht möglich ist. Durch die Unterstützung
für Thomas Becker können wir genau dies umsetzen und dazu beitragen, dass die Menschen vor Ort auch selbst von ihren Bodenschätzen profitieren. Durch welche anderen Engagements wir uns lokal einbringen, haben wir auch in den Blogartikeln zu CTL, Mukwege Foundation und der Earthbeatfoundation geschrieben. Wir wollen dem komplexen Thema mit vielen Ansätzen begegnen, um so viel Gutes zu tun, wie wir können und dabei so wenig Schaden anzurichten wie möglich.

 

(c) Thomas Becker, Arbeiterinnen bekommen blaue Schutzausrüstung